25 Mythen und Vorurteile über hochbegabte Kinder

In meiner Beratungspraxis, aber auch im Schulalltag begegnen mir immer wieder Mythen und Vorurteile in Bezug auf hochbegabte Kinder. Leider halten sich diese recht hartnäckig. Manchmal kommt es mir auch so vor, als suchten die Leute «Negativpunkte» im Bezug auf dieses «Geschenk». Im englischen Sprachraum heisst ja hochbegabt „gifted“, also „beschenkt“. Vielleicht spielt manchmal auch einfach der Neid noch mit.
Andere Mythen entstehen wohl auch einfach aus mangelndem Wissen über Hochbegabung. 

Ich versuche nachstehend ohne Anspruch auf Vollständigkeit einige der verbreiteten Mythen und Vorurteile aufzulisten.
Der Übersicht halber teile ich sie in drei verschiedene Bereiche auf.

Familie und Elternschaft

Gerade in Familien stellen sich mit der Diagnose „Hochbegabung“ oft ganz neue Fragen. Allerdings haben die entsprechenden Herausforderung ja schon vorher angefangen, sonst wäre es wohl nicht zu einer Potenzialevaluation gekommen.
Eigentlich möchten die meisten Eltern ja einfach „nur ein normales Kind“. Aber was ist denn schon normal? 
Mit unterstehenden Mythen und Vorurteilen müssen sich Eltern oft herumschlagen, wenn sie im Familien- und Freundeskreis erzählen, dass ihr Kind hochbegabt sei:

  1. Hochbegabung ist bloss das Ergebnis übertriebener Förderung durch die Eltern
  2. Hochbegabte Kinder verursachen Stress mit normalbegabten Geschwisterkindern
  3. Kinder, die hochbegabt sind, werden von ihren Eltern von einem Kurs in den nächsten gefahren
  4. Hochbegabte Kinder brauchen kaum Schlaf
  5. Ein hochbegabte Kind grosszuziehen, ist extrem anstrengend
  6. Hochbegabte Kinder untergraben die elterliche „Autorität“
  7. Kinder mit hohen Begabungen sind emotional und sozial defizitär
Kind versteckt sich unter den Bett. Mann kniet davor.
In einer Familie mit hochbegabten Kindern können spezielle Situationen entstehen

Rund um die Schule

Es hat sich in der Thematik in den Schulen einiges getan. Viele Lehrpersonen sind sensibilisiert und wissen um die Herausforderungen. Diese Umstände gilt es doch wirklich als positiv zu vermerken. Allerdings sind hohe Klassenbestände, Lehrkräftemangel und Unterrichtsmaterial, das eine „Öffnung gegen oben“ zulässt, Faktoren, die einen differenzierenden Unterricht vielerorts verunmöglichen.
Und hin und wieder sehen sich Eltern auch diesen Haltungen ausgesetzt:

  1. Hochbegabte fördern sich selbst
  2. Wenn ein Kind hochbegabt ist, muss es Klassenbeste*r sein
  3. Hochbegabung ist ein Privileg und braucht nicht noch zusätzliche Aufmerksamkeit
  4. Früh eingeschulte Kinder mit einer Hochbegabung haben keine Kindheit
  5. Lehrpersonen hassen hochbegabte Schüler*innen
  6. Hochbegabte Kinder haben keine Freunde
  7. Bevor das Kind nicht die Schuhe binden kann, darf es nicht über 20 rechnen
  8. Kinder mit hohem Potenzial zeigen, was in ihnen steckt
Kind im Chemielabor, bläst Seifenblasen
Hochbegabte in der Schule zu fördern, kann herausfordernd sein

Ganz Allgemein

Abschliessend möchte ich noch ein Bündel sehr allgemein gehaltener „Stammtisch-Meinungen“ auflisten. Diese Mythen über hochbegabte Kinder sind nicht alle ganz von der Hand zu weisen, aber so pauschal und plakativ sind sie eher Spaltkeile als konstruktive Beiträge.

  1. Ein hoher IQ ist eine feste Grösse
  2. Alle hochbegabten Menschen sind gleich
  3. Wunderkinder sind selten
  4. Hochbegabte sind meist Problemkinder
  5. Hochbegabung ist eindeutig feststellbar
  6. Aus Kindern mit einer Hochbegabung werden sozialunverträgliche Einzelgänger
  7. Hochbegabte haben einen Gerechtigkeitsfimmel
  8. Diese Kinder werden erfolgreiche Berufsleute
  9. Kinder mit hohem Potenzial haben Fragen ohne Ende
  10. Hochbegabte Kinder sind so schräg, dass sie nie eine Beziehung führen können
Mädchen mit Umhang halt die Waage der Gerechtigkeit
Hochbegabte Kinder haben oft ein grosses Gerechtigkeitsbedürfnis

Manche dieser Punkte überschneiden sich, nicht alle sind klar von einander zu trennen. Vielleicht sind einige aus eigenen Erfahrungen bekannt? 
Gibt es Themen, die ich ausführlicher verflogen soll? Dann freue ich mich auf eine Rückmeldung im Kommentarfeld!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.