Wann du eine Begabtenexpertin brauchst – und wann nicht

Du stehst mitten im Familienalltag, der vielleicht eben mal aus dem Ruder läuft. Vielleicht setzt du dich schon länger mit der Entwicklungs- oder Schulsituation eines deiner Kinder auseinander. Oder vielleicht auch gleich von mehreren. Du fragst dich, was du tun kannst, um wieder mehr Zufriedenheit und glückliche Momente in das Leben deiner Kinder zu holen. Du hast Bücher über Hochbegabung gelesen, mit Spielgruppenleiter:innen oder Lehrpersonen diskutiert, Youtube Videos angeschaut und Fördermaterial gekauft. Vielleicht hat jedes dieser Puzzleteilchen für sich Entlastung gebracht. Und trotzdem hakt es. Du weisst nicht, was du falsch machst, zweifelst an dir und deinem Kind? Du bringst die verschiedenen Rezepte, wie du Ruhe in deine Familie bekommen könntest, nicht unter einen Hut? Du hast das Gefühl, Unterstützung zu brauchen? Vielleicht brauchst du jetzt tatsächlich einen Termin bei der Begabtenexpertin?

Oder dein Kind weigert sich zur Schule zu gehen, weil es dort so sterbenslangweilig ist? Oder es wird in seiner Andersartigkeit zum Aussenseiter , sodass sich JETZT etwas ändern muss? Dazu wünschst du dir Begleitung mit Aussensicht, die mithilft, eine Auslegeordnung zu machen und die je nachdem mit Bedacht weitere Schritte einleiten kann. Brauchst du jetzt einen Termin bei der Begabtenexpertin? Ich versuche dir, hierbei einige Gedankenanstösse zu geben.

Wann eine Begleitung durch eine Begabtenexpertin hilfreich sein kann:

Nila will nicht mehr zur Schule

Noch keine 5 Minuten sind es her, dass die Mutter Nila geweckt hat. Ihre Achtjährige geht seit drei Wochen in die 3. Klasse und die Hoffnung der Eltern, dass Nila jetzt mit dem Englischunterricht die Schule wenigstens ein bisschen spannender finden würde, hat sich mit lautem Türknallen zerschlagen. Schon in der zweiten Woche findet das Mädchen alles „mindestens genauso doof“ wie vorher. Das Mädchen klagt zunehmend über Bauchschmerzen, für welche der konsultierte Kinderarzt keine Erklärung finden kann. Nila hat Glück. Ihr Kinderarzt ist ein einfühlsamer Mensch, der im Gespräch mit ihr und der Mutter bald einmal die Vermutung äussert, dass Nila so massiv unterfordert sei. Nun zieht ihre Seele die Hilfe des Körpers bei, um die innere Not zu manifestieren. Er gibt der Familie meinen Flyer und schon bald führe ich ein erstes Gespräch mit der Mutter.
Wir einigen uns darauf, dass ich mit Nila eine Potenzialanalyse, umgangsprachlich auch „Abklärung“ genannt, durchführe. Das Ergebnis ist krass: Nilas IQ liegt in einem Bereich, den nicht mal 0,5% aller Menschen erreichen. Dank einer einsichtigen, sehr flexiblen Schulleitung konnten für Nila Massnahmen initiiert werden, die den Schulunterricht wieder spannend machten.

Paula wird zum Klassenclown

Seit der ersten Klassen zieht Paula eine Show ab. Sie äfft die Lehrpersonen nach oder imitiert Promis, produziert eine „Aufführung“ nach der anderen, lenkt ihre Mitschüler:innen ab und landet deshalb regelmässig allein im Gruppenraum. Oder, wenn der besetzt ist, im kalten Schulhausgang.
Es ist die Heilpädagogin, die anfängt, Paula mit Zusatzmaterialien zu füttern. Das mindert zwar die Auffälligkeiten, aber Paula möchte wie die anderen Kinder in der Klasse halt einfach dabei sein und das tun, was die anderen auch machen. So beginnt ein verhängnisvoller Kreislauf, in dem die Heilpädagogin meint, dass das Kind „ja das Zusatzangebot gar nicht will oder braucht“ und deshalb damit aufhört. Allerdings hat sie an einer Weiterbildung schon von mir gehört und meldet sich zu einem Zoomgespräch, das viel klärt.

Imre liest schon Baumhaus-Bücher

Die Gemeinde-Bibliothekarin macht mich in den Sommerferien darauf aufmerksam, dass Imre, der im zweiten Kindergartenjahr ist, bereits die Bücher aus der Baumhaus-Reihe liest und daheim auch die entsprechenden Antolin-Fragen löst. Ich bitte sie, die Kindergärtnerin, die mit der Klasse regelmässig in die Bibliothek kommt, auf Imres Fähigkeit aufmerksam zu machen. So kann Imre auch im Kindergarten seinem Können angepasste Bücher lesen. Es dauert nicht allzu lange, meldet die Kindergärtnerin Imre beim Schulpsychologischen Dienst an. Die Psychologin weiss, dass ich als Begabtenförderlehrperson gleichzeitig auch Expertin für Hochbegabung bin, zieht mich bei und wir entschliessen uns, dass Imre zu Beginn des zweiten Semesters, das bald beginnt, in einer 1. Klasse schnuppern soll. Was soll ich sagen? Imre und die neuen Lehrpersonen fanden, dass es passt und somit war die Kindergartenzeit für ihn abgeschlossen. Heute hat Imre Spielkameraden aus beiden Gruppen und findet das top!

Leo malt dreidimensional

Die Mutter von Leo hat mich über meine Blogartikel auf meine Website gefunden. Sie liest über die verschiedenen Stärkengebiete von Kindern und die Domänen nach Howard Gardner. Die Zeichnungen, die sie mir schickt, zeigen, dass Leo ein ausgeprägtes räumliches Vorstellungsvermögen hat und dadurch schon als junges Kind extrem gute Vorstellungen von Raum und Perspektive hat. Es gibt keinen Grund, weshalb der Zweitklässler einer Potenzialevaluation unterzogen werden sollte. Er geht meistens gern zur Schule und freut sich, wenn er die Möglichkeit bekommt, zu zeichnen. Ich schlage der Mutter vor, dass wir jemanden suchen könnten, der ihn auf seinem zeichnerischen Weg begleiten könnte. Das möchte sie im Moment (noch) nicht, aber sie nimmt dankbar meine Anregungen entgegen, wie Leos räumliches Vorstellungsvermögen weiter gefördert werden könnte. Bewusst entscheiden wir uns, nicht an Leos noch weniger entwickelten Fähigkeiten zu schrauben, sondern ihm Freude an seinem Potenzial zu lassen. Ganz im Sinn von „Stärken stärken schwächt Schwächen“!

Sanna tobt ohne Ende

Die Erstklässlerin liebt ihre Lehrerin abgöttisch. Diese hat mich nämlich unverzüglich als Lehrperson für Begabtenförderung zugezogen, als sie nach wenigen Wochen Unterricht realisiert hat, dass Sanna eigentlich den Zweitklassstoff beherrscht. In meiner Funktion als Verantwortliche für Begabtenförderung an unserer Schule kann ich den Eltern den Gang zu einer externen Begabtenexpertin ersparen. Deshalb thematisierte ich mit Sanna und ihrer Lehrperson schon bald einen möglichen Klassensprung. Beide wollten dies aber nicht und die Lehrerin wies darauf hin, dass die Eltern dies auch nicht in Betracht ziehen würden. Zudem sei Sanna sehr sozial und würde sich in der Klasse so wohlfühlen.
Weiterhin begleitete ich Sanna regelmässig, aber das ungute Gefühl über ihre Situation wuchs. Als ich eines Tages feststellte, dass sie einfache Rechnungen, die sie ein paar Monate zuvor mit Leichtigkeit gelöst hatte, schlicht und einfach nicht mehr konnte, schrillten bei mir alle Alarmglocken. Entgegen der Anweisung der Lehrerin nahm ich mit den Eltern Kontakt auf und lud sie zu einem Gespräch ein. Da stellte sich heraus, dass das soziale Kind, das in der Schule unauffällig und freundlich war, unterdessen daheim zu einem bockigen, tobenden Rumpelstilzchen geworden war. Die chronische Unterforderung forderte ihr Tribut. Die Eltern willigten ein, dass Sanna versuchsweise in einer zweiten Klasse schnupperte. Bereits am zweiten Tag beschied Sanna, dass wenn sie bleiben dürfe, sie unbedingt in der neuen Klasse weiterfahren würde – es sei soooo cooool. An unserer Schule geht das relativ niederschwellig und so hat Sanna jetzt im Sommer bereits in der 3. Klasse gestartet.

Natürlich ist es für betroffene Kinder und ihre Familien von Vorteil, wenn eine Fachperson vor Ort ist. Aber ich begleite oft Kinder aus entfernteren Ecken der Schweiz oder sogar aus dem Ausland. Ich spreche gern vor Ort mit den Klassen- und Schulverantwortlichen oder wir treffen uns an einem virtuellen Rundtisch via Zoom.

Wann die Begleitung durch eine Begabtenexpertin nichts für dich ist:

Begleitung ist kein Schnellschuss

In aller Regel besteht eine sogenannte „IQ-Abklärung“ aus einem Vorgespräch, wahlweise bei mir oder per Zoom. Dann arbeite ich zweimal mit dem Kind und tausche mich anschliessend mit den Eltern aus. Dabei erkläre ich die Testung und die daraus resultierenden Ergebnisse und schlage Massnahmen vor. Diese stützen sich zusätzlich aus meinen Beobachtungen und den Antworten des Kindes auf den „Interessenfragebogen“, den ich je nachdem vollständig oder auszugsweise verwende.
Je nach Situation unterstütze ich vor Ort, coache Lehrpersonen und Eltern oder tauschen uns periodisch per Telefon aus. Es kann auch sein, dass ich den Eltern vorschlage Elemente aus MindTV einzusetzen.

Transparenz

Es gibt verschiedene Gründe, wieso clevere Kinder auffällig werden. Auffällig beinhaltet ja eine ganze Palette von Verhaltensweisen, wie du oben schon gelesen hast. Oft sende ich den Eltern vor dem ersten Treffen einen Fragebogen, dessen „Light Version“ du kostenfrei herunterladen kannst, zu, damit ich mir ein Bild machen kann. Es ist wichtig, dass du da beim Ausfüllen ehrlich bist – dir, deinem Kind und mir gegenüber. Wenn ihr gerade mit dem Gedanken spielt, euch zu trennen oder dein Kind noch regelmässig einnässt, hilft es mir, diese zu wissen. Deine Offenheit ist bei mir gut aufgehoben. Ich bin da wie ein Arzt und erzähle in weiterführenden Gesprächen nur, was du mir erlaubst.

Ein Gedanken zum Schluss:

Es ist nicht ganz einfach, an die richtige Person zu gelangen. Es wird einfacher, wenn die Chemie stimmt. Schau dich auf den Webseiten um, mach dir ein Bild, lies Testimonials.

Bei der Wahl einer Expertin schau dir auch den beruflichen und wenn möglich persönlichen Hintergrund der Fachperson an: Ist da praktische Arbeit mit Kindern auch ausserhalb der Praxis, vielleicht als Lehrperson oder Elternteil, sichtbar? Viele ganz normalen Hochpotenzial-Familien schätzen es, dass ich als Mutter Erfahrung damit habe, dass (hochbegabte) Kinder aus dem Nichts wie Vulkane explodieren können oder dass schon die Wahl passender Kleidung dramatisch sein kann. Bei Rundtischgesprächen an Schulen kommt es mir zugute, dass ich als langjährige Lehrperson aller Stufen weiss, wie es im Schulalltag zu- und hergeht und welche Umsetzungsempfehlungen realistisch sind und welche nicht.

Du hast Fragen? Dann zögere nicht, mich zu kontaktieren! Ein kurzes Erstgespräch ist kostenfrei!


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