Beziehung und Reflexion

Reflexion und Glücksgefühle

In meinem letzten Blogartikel habe ich beschrieben, wieso Belohnen und Bestrafen bestenfalls kurzfristig Erfolg bringen. Sternchen, Pünktchen, Kleberchen oder sonst etwas können Kinder ins Tun bringen. Natürlich. Aber wie lange? 

Hier möchte ich dir Ansätze aufzeigen, wie du und deine Kinder oder deine Schüler:innen langfristig zu einem guten Team werden können.

Im Gespräch bleiben – Nährboden für Beziehung und Reflexion

Egal, was für einen Blödsinn das Kind gerade veranstaltet hat, egal, ob es seine Hausaufgaben verschlampt oder die Scheibe der Schulhaustür zertrümmert hat. Es wird nicht besser, wenn du tobst, zeterst und Stubenarrest aussprichst. Wenn deine Gefühle zu eskalieren drohen und zählen bis 10, 20 oder 100 nicht nützt, dann schaffe Distanz. Schnapp dir den Hund oder die Joggingschuhe und geh raus.

Wenn du dein Emotionssüppchen abgekühlt hast, ist es Zeit für ein konfrontatives Gespräch.

Ein solches Gespräch zeichnet sich durch folgende Faktoren aus:

  • es macht den Regelübertritt explizit und gewichtig​
  • Eltern oder Lehrpersonen sind neugierig und offen, haben keine Vorurteile ​
  • Kind kann sich einbringen – Reflexion wird angeregt​
  • es ist unbedrohlich, beziehungsstärkend und klärend​
  • ist ca. ab 5 Jahren einsetzbar ​
  • verhilft durch seine Transparenz zu Verbindlichkeiten

​Auf dieser wohlwollenden, wertschätzender Basis werden Rahmenbedingungen geschaffen. Wir finden heraus, welche Verhaltensweisen das Kind noch nicht umsetzen kann, klären die Rahmenbedingungen und fordern diese Einhaltung ein.

Beispiele dafür wären z.B.

  • Bei Unpünktlichkeit – Wecker stellen ​
  • Schwierigkeiten bei Übergängen – Begleiten​
  • Konzentrationsschwierigkeiten – Einzelplatz  ​

Die Kunst des Aushaltens schafft Beziehung

Nicht immer sind wir in der Verfassung ein konfrontatives Gespräch durchzuführen. Nicht immer sind die äusseren Umstände dazu günstig. Und hin und wieder spüren wir auch, dass das Kind blockiert. Deshalb geht es manchmal auch einfach nur darum, den Fehlverhalten rückzumelden und optimistisch abzuwarten.

Die Erfahrung zeigt nämlich, dass

  • …. sich Probleme häufig von selber lösen.​
  • …. eine einmalige Rückmeldung Klarheit schaffen kann. ​
  • …, Kinder sich noch natürlich entwickeln bzw. die Fähigkeit noch erlernen. ​
  • …, der / die Jugendliche noch die Bereitschaft zur Verhaltensänderung entwickeln muss.​
  • … durch Überreaktion das Verhalten verstärkt werden könnte. ​
  • … das Fehlverhalten aufgrund einer einmaligen Dynamik / Situation entstanden ist. ​

  • …, du damit auch deine Nerven schonst – wenn du dabei cool und entspannt bleiben kannst 😉 

Glücksgefühle schaffen durch Reflexion

Wenn man etwas erreicht, dann ist das anschliessende Glücksgefühl viel stärker und grösser, als es jede Belohnung von aussen schaffen könnte. Der Stolz und das Glück die Fahrradprüfung fehlerlos geschafft zu haben und die entsprechende Wimpel an die Lenkstange hängen zu dürfen, ist doch viel stärker, als die Freude über das Geschenk, welches man deshalb von Papa bekommt. 

Und genau dieses innere “Yeah, ich habs geschafft”-Feeling benötigen Kinder, damit die Motivation auch beim nächsten Mal wieder stark genug ist, um sich einer neuen Herausforderung zu stellen. 

Darum ist es so wichtig, als Erwachsener mit Kindern im Gespräch zu bleiben und ihm die Chance zu geben, bewusst wahrzunehmen, wie es sich anfühlt, eine Herausforderung versucht, gepackt und im besten Fall sogar gemeistert zu haben.

Vielleicht ist dir beim Lesen der Gedanke gekommen, dass du alles total falsch angegangen bist. Keine Angst: Irgendwo habe ich mal folgenden Spruch gelesen, der hier ganz gut passt: “ Wir Menschen bestehen zu über 70% aus Wasser, alles ist ständig im Fluss. Wenn du dein Verhalten änderst, ändert sich auch dein Kind. Es ist NIE zu spät“. 

Wenn du dich vertieft mit dem Thema auseinandersetzen möchtest, kann ich dir gern ein paar Bücher empfehlen:

Kohn, A. (2020). Liebe und Eigenständigkeit. Freiburg im Breisgau: Arbor. ​
Lemmer, M. & Körner, B. (2016). Neue Autorität in der Schule. Präsenz und Beziehung im Schulalltag. Heidelberg: Carl-Auer.​
Omer, H. & von Schlippe, A. (2010). Stärke statt Macht. Neue Autorität in Familie, Schule und Gemeinde. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.​
Omer, H. & von Schlippe, A. (2004) Autorität durch Beziehung. Die Praxis des gewaltlosen Widerstands der Erziehung. Göttingen:Vandenhoek & Ruprecht.​
Weller, B. (2006). Wie mach ich`s wieder gut? Schaffhausen: SCHUBI Lernmedien AG. ​

Schlagwörter: Beziehung · glücksgefühl · Reflexion 

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